Der Ortsverband Mömbris der Bayernpartei veranstaltete seinen ersten Vortrag mit dem Thema „Nützliche Windkraft?“ im Ivo-Zeiger-Haus Mömbris. Frau Dr. Ellen Walther-Klaus, Mathematikerin und Physikerin, referierte an diesem Abend über die Möglichkeiten, die Auswirkungen und die Grenzen der Windkraft in Deutschland und Bayern. Die Bayernpartei Mömbris freute sich über zahlreiche Besucher, welche hauptsächlich aus Mömbris, Alzenau, Freigericht und der Umgebung stammten.
Dr. Ellen Walther-Klaus klärte die Zuhörer über die Kapazitäten und Leistungen von Windkraftanlagen auf, dass es z. B. bereits jetzt durch massive Schwankungen bei Windflauten und Windspitzen zu Überlastungen des Stromnetzes kommt und bei Windflauten auch konventionelle Stromerzeuger wie Kohlekraftwerke sowie ausländische Atomkraftwerke mit Stromlieferungen einspringen müssten. Dies sei darauf zurückzuführen, dass zum einen keine Speicherkapazitäten aufgebaut wurden und das auch technisch schwer umzusetzen sei und zum anderen die vorhandenen konventionellen Kapazitäten wie das hochmoderne Kohlekraftwerk „Staudinger“ oder auch das Atomkraftwerk „Isar 2“ abgeschaltet wurden. Dass die Speicherkapazitäten nicht vorher aufgebaut wurden, sahen auch die Befürworter als Problem und waren sich einig, dass es schnellstens behoben werden sollte.
Im Laufe des Abends entwickelte sich eine rege Diskussion zwischen Befürwortern der Windkraft und solchen, die diese kritisch sehen. Dr. Ellen Walther-Klaus wies dabei auch darauf hin, dass die 71 geplanten Gaskraftwerke, welche die Bundesregierung zum Ausgleich der Windflauten plant, für die bereits jetzt bestehende Windkrafteinspeisung nicht ausreichen werden und auch schon die Zahl 110 im Raum steht. Um die sogar im Grundgesetz verankerte Klimaneutralität bis 2045 erreichen zu können und den Energiebedarf abzudecken, wobei der Strom nur einen Teil bildet, müssen gigantische Leistungserhöhungen der Erneuerbaren zugebaut werden. Das hätte zur Folge, dass an etlichen Tagen im Jahr immense Überkapazitäten entstehen und an etlichen anderen Tagen drastische Unterversorgungen, für die konventionelle Kraftwerke einspringen müssen. Die Zahl von 110 Gaskraftwerken wird dann bei weitem nicht reichen, um Flauten abzudecken.
Überkapazitäten lassen sich durch Abregelung auffangen (Subventionen gibt es trotzdem für den nicht produzierten Strom), wegspeichern durch Batterien, die in den erforderlichen Größenordnungen nicht bzw. nur wieder zu exorbitanten Kosten realisierbar wären, oder durch die Produktion von grünem Wasserstoff. Auch wenn grüner Wasserstoff im Kleinen eingesetzt werden kann, ist er nicht bezahlbar. Rückverstromung aus Glättungsspeichern über grünen Wasserstoff bringt hohe Umwandlungsverluste, importierter grüner Wasserstoff ist sehr, sehr teuer. Ein Export ins Ausland ist in der Größenordnung der zu erwartenden Überkapazitäten illusorisch. Eine Lösung für die Unterdeckung könnten Gaskraftwerke sein, aber woher nehmen? Außerdem wären diese wieder fossil! Wir reden über gigantische Investitionssummen in ungeahntem Ausmaß.
Natürlich wurde an diesem Abend auch über den geplanten Windpark am Sülzert gesprochen, welcher auf den Gebieten der hessischen Gemeinde Freigericht und der bayerischen Stadt Alzenau entstehen soll. Hierbei klärten Vertreter der Freigerichter Bürgerinitiative „Gegenwind“ und Bürger aus Alzenau über den Stand der Planung des Windparks Sülzert auf. Dabei konnten die Mömbriser erfahren, dass z. B. ein Windrad sehr nahe an der Gemeindegrenze des Mömbriser Ortsteils Niedersteinbach aufgestellt würde, was u. a. zu Geräuschbelästigungen und Schattenwurf führen könnte. Weiter konnte die Runde erfahren, dass unter Berücksichtigung der Mindestabstände der Strömungslehre nur 3 Windräder in diesen Waldstücken aufgestellt werden können und die geplanten 8 Windräder sich gegenseitig behindern bzw. Wind wegnehmen werden, was zu einem ineffizienten Betrieb der Anlagen und erhöhtem Verschleiß führen würde.
Marco Scholz von der Bayernpartei zweifelt daher den Kosten-Nutzen-Faktor dieser Maßnahme an und befürchtet, dass am Ende die Bürger für die dadurch entstehenden Kosten aufkommen müssten. Ein Fachmann aus der Bewegung „Gegenwind“ im Bereich der Planung und Berechnung von Windkraftprojekten klärte die Zuhörer auf, dass es aktuell noch nicht mal ein Windgutachten des Planungsbüros gäbe, obwohl der Bauantrag im vereinfachten Genehmigungsverfahren vom Bauherren bereits eingereicht wurde, um die Effizienz dieses Windparks zu erfassen. Er meinte weiterführend, dass genau diese Analyse ja Auswirkungen auf die Wirtschaftlichkeit des Projektes habe und letztendlich auch auf den Finanzierungsanteil der Gemeinde Freigericht und der Stadt Alzenau. Erstaunt waren die Zuhörer auch über seine Aussage, dass der Projektierer bisher 3 völlig unterschiedliche Prognosen den Kommunen als Entscheidungsgrundlage genannt hat. Im November 2023 zuerst einen Ertrag von 21.543.000 kWh/a, 14 Tage später nur noch 15.462.000 kWh/a und bei der Veranstaltung in Michelbach im April 2024 von 17.800.000 kWh/a je Windkraftanlage und Jahr.
Obwohl noch immer gemessen wird – die Ergebnisse scheinen wohl zu schlecht zu sein –, spricht der Projektierer aktuell von einem Ertrag von bis zu 21.000.000 kWh/a je Windrad. Baugleiche Windkraftanlagen sind auch für den in unmittelbarer Nähe gelegenen Windpark Büdinger Wald vorgesehen. Der dortige Projektierer gibt einen jährlichen Ertrag von nur 13.300.000 kWh/a je Windkraftanlage an und selbst im windreicheren Norden (Heidmoor, LK Segeberg) liegt die Prognose nur bei 18.300.000 kWh/a je Windkraftanlage. Darf man solchen Aussagen vertrauen und als Kommune eine Investitionsentscheidung über 100 Mio. Euro treffen? Des Weiteren konnten die Anwesenden auch erfahren, dass ein Andienen des Baumaterials und der Windradkomponenten über Zuwegungen aus Freigericht und Alzenau nur sehr schwer realisierbar sei, da die dafür in Frage kommenden Gebiete zu steil wären.
Der Planer würde nun über eine Andienung über das Gebiet der bayerischen Gemeinde Geiselbach nachdenken und plant dort in Ortsnähe eine rampenartige Zufahrtsstraße, welche ca. 30 Jahre in Betrieb bleiben müsste, um auch den Abbau der Windräder und den Abriss der Betonfundamente nach Stilllegung der Anlagen zu gewährleisten. Woraufhin ein Aktivist aus Alzenau die Runde darauf hinwies, dass die Windradanlagen im günstigsten Fall zwar vom Betreiber rückgebaut würden, wobei die Anlagen vor Ort zerlegt werden. Sollten die Windkraftanlagen mangels Ertrag nicht wirtschaftlich betrieben werden können oder wegen zu niedriger Rückstellungen die Betreibergesellschaft in Konkurs gehen, so sind die Kommunen als gesetzliche Eigentümer der Flächen verpflichtet, die Anlagen einschließlich Fundamente, Zuwegung und Renaturierung zurückzubauen und zu bezahlen.
Als Fazit des informativen Abends fasste Marco Scholz zusammen, dass alle Beteiligten, Kommunen und deren Verwaltungsvertreter, natürlich auch immer die Rentabilität und die Kosten für den Steuerzahler im Auge haben müssten und sich der Gefahren eines solchen, wie an diesem Abend herausgefunden, sehr unsicheren Projektes bewusst sein müssen. Die Bayernpartei steht weiterhin für Technologieoffenheit und einen intelligenten Energiemix, in welchem auch Windkraft eine Rolle spielen soll, ist sich aber auch bewusst, dass der Mix noch mit fossilen Energieträgern gefahren werden muss. Windkraftanlagen sollten da gebaut werden, wo sie sinnvoll sind, und die BP lehnt Windkraftanlagen in Wäldern ab.
Weitere Informationen findet ihr unter http://www.bayernpartei-untermain.de
(Text/Foto: Marco Scholz)





